Bleifrei Wiederladen

Im Gegensatz zu Bleigeschossen und bleihaltigen Zündhütchen gibt es auch die Möglichkeit so wiederzuladen, damit die Belastung für den Schützen so gering wie möglich ist. Dazu braucht es im Grunde zwei Dinge:

  • Vollummanteltes Geschoss (Vollmantel mit geschlossenem Boden oder Kupfergalvanisisert oder grundsätzlich aus einem anderen Material wie z.B. einer Messing- oder Zinnlegierung)
  • SINTOX schwermetallfreie Zündhütchen

Mein erster Planungsansatz kam bereits in trudeln, da die besagten SINTOX Zündhütchen schwer zu bekommen sind. Auf meine Nachfrage nach z.B. “small pistol” Zündhütchen, bekam ich die Antwort, dass diese deutlich schwächere Zündeigenschaften haben. Was somit zum zweiten Problem führte. Denn das bedeutet, dass das Pulver in seiner Laborierung zum SINTOX Zündhütchen ggf. neu getestet werden muss. Nun geht man nicht einfach mal los und kauft 5 Pulversorten zum rumprobieren. Also probiert man die Zündhütchen in den Ladungen, die man kennt und denen man vertraut. Am Abbrandbild, der Geschossgeschwindigkeit als auch an der Präzision lässt sich schnell klären, ob die Laborierung verändert oder sogar die Pulversorte gewechselt werden muss.

Die Reduktion von Schadstoffen in der Ladung bewirkt in erster Linie eine Schonung der Gesundheit bei der Schussabgabe am Schützenstand. Denn der Kugelfang ist entweder bereits mit Projektilresten belastet, deren Bleikern offen liegt oder konstruktionsbedingt nicht gewährleistet werden kann, dass das geschlossene Geschoss auch geschlossen bleibt. Daher ist am Kugelfang (z.B. beim Auswerten oder Scheibenwechseln) eine Atemschutzmaske sinnvoll, die für z.B. Bleistaub ausgelegt ist.

Auf der Seite von UVEX wird eine Atemschutzmaske der Klasse FFP3 empfohlen, wenn es um Blei geht. (link)

Fertige Munition

S&B vertreibt nontox Munition und bezieht sich hier auf das vollummantelte Geschoss (auch der Geschossboden) und einem nontox Zündhütchen (link). Im Downloadbereich gibt es einen Produktkatalog als PDF. In diesem wird ebenfalls auf schwermetallfreie Zünder und verkapselte Geschosse hingewiesen. Allerdings nur bei der Munition und nicht bei den Zündhütchen selbst.

Auch Geco vertreibt nontox Munition. Im Downloadbereich findet man eine Broschüre, bei der Munition mit verkapselten Geschossen und sintox Zünder tabellarisch zu ermitteln sind. Hervorgehoben wird auch eine besonders geringe Rauchreduktion (link).

Flintenpatronen

Eine Besonderheit gibt es noch beim Wiederladen von Munition für Flintenläufe. Hier kann anstelle von Blei auch Weicheisen verwendet werden. Was allerdings voraussetzt, dass die Flinte einen entsprechenden Beschuss hat. Leider habe ich keine Zünder gefunden, zu denen es eine explizite SINTOX Angabe gibt.

Beim Kauf einer Flinte sollte man auf den Stahlschrotbeschuss achten. Entsprechende Beschusszeichen (Lilie) befinden sich auf den wesentlichen Teilen (link). Schwieriger wird es bei internationalen Beschusszeichen. Die Beschussämter sind eine zuverlässige Quelle für derartige fragen. Von Gerüchten wie: “Bei 12/76 kann man 12/70 Stahlschrot verschießen” wäre ich vorsichtig. Auch hier macht es Sinn ein Beschussamt zu kontaktieren. Die Einsätze (Chokes) müssen ebenfalls für Stahlschrot geeignet sein.

Ob Stahlschrot (Weicheisen) die gleiche Leistung erzielt wie Blei, kann ich nicht beantworten. Auch ein SINTOX Zündhütchen für Schrotpatronen wäre notwendig um komplett schwermetallfrei zu sein.

Zündsatz

Welches Mittel wird nun zur Zündung (link) bei Zündhütchen verwendet? Ohne genaue Angaben des Herstellers lässt sich nur spekulieren. Vermutlich kommen bei Zündhütchen ohne SINTOX Bezeichnung ein Tetrazen-Gemisch zum Einsatz. Eine Mischung mit Bleiazid (link) schließe ich hier nicht aus. Im Wikipediaeintrag zu Tetrazen (link) steht, dass reines Tetrazen ein schlechter Initialsprengstoff sei und diese Eigenschaft sich noch verschlechtert, je mehr Tetrazen verdichtet wird. Das könnte die Erklärung sein, weshalb andere Wiederlader SINTOX Zündhütchen als “schwach” oder “schlecht zündend” beschreiben.  Eine Ausnahme scheint es von RWS zu geben. Nach meiner Recherche weisen diese Small Pistol SINTOX Zündhütchen keinen Leistungsverlust auf. Was noch zu beweisen ist. Leider gibt es (RWS typisch) keine Informationen darüber auf der Homepage und preislich liegen diese Zündhütchen deutlich über z.B. S&B oder Murom. Auch gibt es die SINTOX anscheinend nur in der Größe Small Pistol.

Interessant finde ich, dass Murom eine klare Aussage zur Verwendung von nicht SINTOX Zündern macht (link, unter Read more… ). Zu RWS gibt es Angaben von LHS Germany (link).

Hülsen

Beim Versuch Hülsen von schadstofffreier Munition wiederzuladen kann es eine böse Überraschung geben. Teils sind die Zündlöcher kleiner als bei “normaler” Munition. Das an sich wäre kein Problem, wenn der Ausstoßerstift durchpassen würde. Das Resultat, beim Versuch das alte Zündhütchen auszustoßen, war ein abgebrochener Zündhütchenausstoßer. Daher sollte man bei diesen Hülsen erst das Zündloch und den Ausstoßerstift messen. Erklären kann ich mir das das kleinere Zündloch nur so, dass damit ein höhere Druck in der Zündglocke erzielt werden soll. Bei schwächeren Zündern wäre damit eine sicherere Zündung das Ziel.

*Jeder entscheidet selbst über die Schutzmaßnahmen zum Schutz vor Schwermetallen.

** SINOXID ist nicht zu verwechseln mit SINTOX. Es bezeichnet die Stabilität der Zündhütchen in Reaktion mit den verarbeiteten Stoffen und der Luft. Auf dieser Homepage gibt es eine kurze Erklärung zu SINOXID  (link).